Elitehengst Roni Baron

- Nachruf -

Quelle

Elitehengst Roni Baron ist tot

Er musste am 6. März 2005 aufgrund eines Dünndarmverschlusses eingeschläfert werden.

Ich war gerade mal 12 Jahre alt, als mein Vater den damals 2-jährigen Roni vor nunmehr 20 Jahren auf unserem Ponyhof in Grünenthal vom Anhänger lud, mich auf seinen Rücken hob und mir sagte, dass Roni nun unser neuer Zuchthengst werden soll.

So sollte es dann auch werden: Am 28.Oktober 1986 wurde Roni auf der damals noch eintägigen und in der Abreitehalle stattfindenden Körung in Neumünster gekört. Ich durfte ihn trainieren und vorführen und er wurde Siegerhengst der damals noch gemeinsam gerichteten Gruppe der Haflinger und Fjords.

Schon da war ich fasziniert von dem ganz eigenem Charakter, des zwar nicht unbedingt liebevollen und einfachen, aber doch absolut personenbezogenen, leistungsbereiten und gerade mit mir durch dick und dünn gehenden Gelben.
Im April 1987 gewann Roni die Hengstleistungsprüfung vor dem Zugschlitten in Traventhal. Leider musste ich mich mit einem Zuschauerplatz begnügen, da Roni mir einige Wochen zuvor auf der Hengstschau, die damals jährlich bei Dose in Elmshorn stattfand, wegen eines zu forschen Peitschenführers in die Knie sprang und mein Bein daraufhin ein Gips zierte.
Trainieren damit war zwar möglich aber meine Eltern waren sich leider sehr einig, dass eine Hengstleistungsprüfung mit Gipsbein für mich nicht stattfinden sollte.

Roni erhielt dann die 1. Prämie und bekam den dafür obligatorischen Kronenbrand auf der linken Halsseite.

Seinen 1. Deckeinsatz hatte Roni dann mit der sich noch heute in Maritas Besitz befindlichen Alfina. Sie bekam das Stutfohlen Anna Baroness, das dann auch Verbandsprämienstute wurde und jetzt als Therapiepferd dient.

Viele Fohlen folgten aus den Grünenthaler Zuchtstuten. Auch bei ihnen ließ sich viel Typ und ein hohes Maß an Beweglichkeit feststellen. Schade war aber, dass all diese Fohlen über die jährliche Fohlenversteigerung verkauft wurden und viele in Händlerhände gelangten und deshalb nur wenige in der Zucht wieder auftauchten. Nur vereinzelt tauchte mal eine Stute auf der Elitestutenschau (damals übrigens noch in Segeberg) auf.

Für mich war Roni derzeit u.a. mein Reitlehrer, Wanderreitpferd, Teenie-Idol und hilfreicher Zuhörer.

Als ich 17 Jahre alt war, zog ich dann aufgrund meiner Berufsausbildung von zuhause aus und nahm – wie sollte es anders sein – meinen Roni mit. Künftige Betriebe wurden vorrangig danach ausgesucht, ob Roni gern gesehen war und dort auch ein gutes Zuhause finden konnte.

Manchmal war es nicht einfach, ihn von meinen 130 DM Lehrlingsgehalt durchzufüttern, aber irgendwie ging es immer. Und wenn nichts mehr half, hat meine Mutter ihre zurückgelegten Reserven gegeben.

1993 zogen wir dann zurück und ich mietete mir einen Stall und eine Wohnung in Wilhelmsburg bei Hademarschen. Damit Roni nicht so alleine war, kam die Stute Jessica von Havik dazu.
1995 folgten meine Stammstuten Solstrale und Prinsesse Berta.

Als uns der Stall dann zu klein wurde und mir immer klarer wurde, dass ich meine Zucht direkt am Haus haben möchte, haben wir im Mai 1995 unseren Resthof in Flethsee gekauft und sind bis zum heutigen Tag dabei, alles für uns und die Gelben herzurichten.

In Flethsee kamen dann auch die größeren Zuchterfolge für Roni:

1995 wurde das erste Fohlen Rascan Baron a.d. Jessica geboren.
1996 folgten Salomee Baroness a.d. Solstrale, die dann Staatsprämienstute wurde, und
Paloma Baroness a.d. Prinsesse Berta, die den Titel der Verbandsprämienstute trägt und das Siegerfohlen Pauline auf dem Fohlenchampionat stellte.
1997 wurde der spätere Körungssieger Ricardo Baron geboren.
Aus 1998 stammen Pferde wie der Körungssieger Rasmus, die Staatsprämienstute Jette Baroness und Fohlenchampionatssieger Remus Baron.
1999 wurde der Körungssieger Rolex Baron geboren.

Seit dem letzten Jahr sind auch Ronis Enkel von Ricardo Baron erfolgreich und so konnte bereits aus dem 1. Fohlenjahrgang Rouwen Baron gekört werden und Paarie Baroness erhielt die Verbandsprämie.
Auf der Althengstschau im letzten Jahr erhielt Roni dann offiziell den Titel Elitehengst und kam sogar ins Fernsehen.

Am Sonntag, dem 6. März 2005 lag Roni morgens im Stall und zeigte Koliksymptome.
Als die Behandlung meines Tierarztes nicht anschlug, beschlossen wir, in die Klinik zu fahren. Dort wurde ein Dünndarmverschluß festgestellt. Der Tierarzt riet uns, Roni von seinen Schmerzen zu erlösen und ihn einzuschläfern.
Er ist ganz ruhig und schnell in meinem Arm eingeschlafen.

Mit Roni verliere ich nicht nur einen der besten Zuchthengste. Wer ihn gekannt hat, weiß, was für ein imposanter und charakterstarker Kerl er war. Mit ihm verliere ich sicher auch einen meiner besten Freunde und mein erstes und über alles geliebte Pferd. Er hat mir in so vielen Lebenslagen geholfen.
Keiner hat je so viel Einfluss auf mein Leben genommen wie er.
So bin ich mir sicher, dass ich ohne ihn nie Fjordies gezüchtet hätte, mit denen ich noch dazu so schöne Erfolge habe. Auch der Klosterhof wäre ohne Roni sicher nie so entstanden.

Ich bin froh, dass mir noch seine Nachzucht bleibt, in der Roni für mich weiterlebt.


Was bleibt sind auch viele viele schöne Erinnerungen an alles gemeinsam Erlebte und

an einen ganz besonderen Freund…